THC-haltiges Cannabis für den Freizeitkonsum kann in Deutschland nicht einfach ohne Rezept in einem gewöhnlichen Online-Shop bestellt und nach Hause geliefert werden. Die Teillegalisierung von Cannabis hat zwar den Besitz bestimmter Mengen, den privaten Eigenanbau und den gemeinschaftlichen Eigenanbau in Anbauvereinigungen ermöglicht. Einen freien kommerziellen Onlinehandel mit Cannabis hat das Cannabisgesetz jedoch nicht geschaffen.
Entscheidend ist deshalb die Unterscheidung zwischen Konsumcannabis, Medizinalcannabis und Cannabissamen. Für diese drei Bereiche gelten unterschiedliche gesetzliche Regeln.
Inhalt:
- Ist es legal, Cannabis ohne Rezept online zu bestellen?
- Warum legaler Besitz keinen freien Onlinehandel bedeutet
- Kann man Medizinalcannabis online bestellen?
- Dürfen Cannabis Social Clubs Cannabis verschicken?
- Darf man Cannabissamen online bestellen?
- Darf man Cannabis aus dem Ausland bestellen?
- Welche legalen Möglichkeiten gibt es ohne Rezept?
- Offizielle Quellen
Ist es legal, Cannabis ohne Rezept online zu bestellen?
Nein. Konsumfertiges THC-haltiges Cannabis für den Freizeitkonsum darf in Deutschland nicht wie ein gewöhnliches Produkt in einem Online-Shop verkauft und nach Hause geliefert werden.
Das Konsumcannabisgesetz, kurz KCanG, unterscheidet klar zwischen verschiedenen Formen des Umgangs mit Cannabis. Handel, Einfuhr, Abgabe, Weitergabe, Erwerb und Entgegennahme sind grundsätzlich verboten, soweit das Gesetz keine konkrete Ausnahme vorsieht.
Zu diesen Ausnahmen gehören beispielsweise der erlaubte Besitz bestimmter Mengen, der private Eigenanbau und die gesetzlich geregelte Weitergabe innerhalb einer Anbauvereinigung.
Ein allgemeiner kommerzieller Verkauf von Cannabis über Online-Shops gehört dagegen nicht zu den vorgesehenen legalen Bezugswegen.
Wer also im Internet einen Shop findet, der THC-haltige Cannabisblüten ohne Rezept mit normaler Lieferung nach Deutschland anbietet, sollte nicht davon ausgehen, dass das Angebot allein aufgrund der Teillegalisierung legal ist.
Warum legaler Besitz keinen freien Onlinehandel bedeutet
Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen besitzen zu dürfen bedeutet nicht automatisch, Cannabis frei kaufen zu dürfen.
Genau an dieser Stelle entsteht häufig ein Missverständnis rund um die Cannabis-Legalisierung in Deutschland.
Das KCanG erlaubt Erwachsenen unter bestimmten Voraussetzungen den Besitz von Cannabis. Erwachsene dürfen außerdem an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt bis zu drei Cannabispflanzen gleichzeitig zum Eigenkonsum anbauen.
Diese Regelungen betreffen jedoch den Besitz und Eigenanbau. Sie schaffen keinen freien Einzelhandel und keinen kommerziellen Onlinehandel mit Cannabis.
Das Gesetz behandelt Besitz, Anbau, Erwerb, Handel, Weitergabe und Einfuhr als unterschiedliche Vorgänge. Dass eine bestimmte Menge Cannabis legal besessen werden darf, bedeutet deshalb nicht, dass diese Menge bei einem beliebigen Händler gekauft oder online bestellt werden darf.
Kann man Medizinalcannabis online bestellen?
Medizinalcannabis ist ein eigener rechtlicher Bereich und setzt eine ärztliche Verschreibung voraus.
Cannabis zu medizinischen Zwecken darf nach dem Medizinal-Cannabisgesetz von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. Die Abgabe an Patientinnen und Patienten erfolgt über Apotheken gegen eine entsprechende Verschreibung.
Medizinalcannabis ist deshalb nicht mit frei verkäuflichem Konsumcannabis vergleichbar.
Eine Person kann nicht einfach eine Online-Apotheke auswählen und dort verschreibungspflichtiges Medizinalcannabis wie ein gewöhnliches Produkt ohne Rezept kaufen.
Für die Abgabe von Medizinalcannabis an Patientinnen und Patienten ist eine ärztliche Verschreibung erforderlich.
Bei den Regeln für Fernverschreibung und Versand von Medizinalcannabis gibt es zudem ein laufendes Gesetzgebungsverfahren für strengere Vorgaben. Für die Beurteilung eines konkreten medizinischen Bezugswegs sollte deshalb immer die aktuell geltende Fassung des Medizinal-Cannabisgesetzes geprüft werden.

Dürfen Cannabis Social Clubs Cannabis verschicken?
Nein. Anbauvereinigungen beziehungsweise sogenannte Cannabis Social Clubs dürfen Cannabis nicht per Post oder Lieferdienst an ihre Mitglieder verschicken.
Die Weitergabe von Cannabis innerhalb einer Anbauvereinigung ist gesetzlich genau geregelt.
Cannabis darf nur innerhalb des befriedeten Besitztums der Anbauvereinigung an Mitglieder weitergegeben werden. Das abgebende und das entgegennehmende Mitglied müssen dabei gleichzeitig persönlich anwesend sein.
Das KCanG stellt zusätzlich ausdrücklich klar, dass Versand und Lieferung von Cannabis verboten sind.
Ein Cannabis Social Club kann deshalb nicht wie ein Online-Shop funktionieren.
Auch wenn beispielsweise Mitgliedschaft, Informationen oder organisatorische Abläufe einer Anbauvereinigung digital verwaltet werden, darf das Cannabis selbst nicht einfach über einen Onlineshop bestellt und anschließend an die Wohnung des Mitglieds geliefert werden.
Darf man Cannabissamen online bestellen?
Ja. Für Cannabissamen gelten andere Vorschriften als für konsumfertige Cannabisblüten.
Cannabissamen dürfen unter den gesetzlichen Voraussetzungen für den privaten Eigenanbau erworben werden.
Das Bundesministerium für Gesundheit stellt ausdrücklich klar, dass Cannabissamen für den privaten Eigenanbau über das Internet beziehungsweise im Fernabsatz erworben und nach Deutschland versendet werden dürfen.
Für die Einfuhr zum privaten Eigenanbau gilt dabei eine wichtige Einschränkung: Cannabissamen dürfen aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union nach Deutschland eingeführt werden.
Das bedeutet:
Cannabissamen online bestellen ist rechtlich nicht dasselbe wie THC-haltige Cannabisblüten online bestellen.
Wer nach „Cannabis online bestellen ohne Rezept“ sucht, sollte deshalb genau darauf achten, welches Produkt gemeint ist.
Darf man Cannabis aus dem Ausland bestellen?
Ein ausländischer Online-Shop macht die Bestellung von THC-haltigem Konsumcannabis nach Deutschland nicht automatisch legal.
Das KCanG regelt auch die Einfuhr von Cannabis. Ein Anbieter mit Sitz in den Niederlanden, Spanien oder einem anderen Staat kann die deutschen Vorschriften deshalb nicht einfach umgehen.
Dass Cannabis in einem anderen Land unter anderen Voraussetzungen verkauft werden darf, bedeutet nicht automatisch, dass eine Bestellung mit Lieferung nach Deutschland legal ist.
Eine wichtige Ausnahme besteht wiederum bei Cannabissamen. Cannabissamen für den privaten Eigenanbau können unter den gesetzlichen Voraussetzungen aus anderen EU-Mitgliedstaaten eingeführt werden.
Bei konsumfertigen THC-haltigen Cannabisblüten besteht diese allgemeine Ausnahme nicht.
Welche legalen Möglichkeiten gibt es ohne Rezept?
Ohne Rezept gibt es keinen allgemeinen legalen Onlinekauf von THC-haltigen Cannabisblüten für den Freizeitkonsum. Erwachsene haben jedoch andere gesetzlich geregelte Möglichkeiten.
Privater Eigenanbau
Erwachsene dürfen unter den Voraussetzungen des KCanG an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt bis zu drei Cannabispflanzen gleichzeitig zum Eigenkonsum anbauen.
Für diesen privaten Eigenanbau können Cannabissamen unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch online erworben werden.
Anbauvereinigungen
Eine weitere Möglichkeit ist die Mitgliedschaft in einer behördlich erlaubten Anbauvereinigung.
Anbauvereinigungen bauen Cannabis gemeinschaftlich und nichtgewerblich für ihre Mitglieder an. Die Weitergabe unterliegt gesetzlichen Mengen-, Alters- und Kontrollvorgaben.
Eine Lieferung oder ein Versand des Cannabis an die Mitglieder ist jedoch nicht erlaubt.
Medizinalcannabis
Wer Cannabis aus medizinischen Gründen benötigt, nutzt einen anderen Bezugsweg.
Medizinalcannabis wird ärztlich verschrieben und über Apotheken abgegeben. Ein Rezept ist für diesen Weg erforderlich.
Offizielle Quellen
Gesetz zum Umgang mit Konsumcannabis (KCanG)
https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/
§ 2 KCanG – Umgang mit Cannabis
https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__2.html
§ 3 KCanG – Erlaubter Besitz von Cannabis
https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__3.html
§ 4 KCanG – Umgang mit Cannabissamen
https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__4.html
§ 9 KCanG – Anforderungen an den privaten Eigenanbau
https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__9.html
§ 19 KCanG – Kontrollierte Weitergabe von Cannabis in Anbauvereinigungen
https://www.gesetze-im-internet.de/kcang/__19.html
Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG)
https://www.gesetze-im-internet.de/medcang/
§ 3 MedCanG – Abgabe und Verschreibung von Cannabis zu medizinischen Zwecken
https://www.gesetze-im-internet.de/medcang/__3.html
Bundesministerium für Gesundheit – Fragen und Antworten zum Cannabisgesetz
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/cannabis/faq-cannabisgesetz
Bundesministerium für Gesundheit – Cannabisgesetz
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/cannabisgesetz
Bundesministerium für Gesundheit – Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/aenderung-medizinal-cannabisgesetzes

















